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Schneeketten Brenner – Pflicht oder nicht ?

Der Brenner heißt eigentlich Brennerpass oder auf Italienisch Brennero und verbindet das österreichische Bundesland Tirol mit der italienischen autonomen Provinz Südtirol. Neben dem St. Gotthard, Simplon und Mont Cenis gehört der Brenner zu den wichtigsten Alpenpässen. Der Pass überquert den östlichen Alpenhauptkamm auf einer Höhe von knapp 1.400 Metern. Aufgrund der Höhe sind im Winter oft Schneeketten erforderlich.

Schneeketten auf dem Brenner

Wenn es so aussieht auf dem Brenner, brauchen Sie wohl keine Schneeketten…

Schneeketten am Brenner – was sagt das Gesetz?

Die Aussage des Gesetzes ist eindeutig. Alle Autofahrer, die den Brenner überqueren, sind verpflichtet, Winterausrüstung, darunter auch Schneeketten, mitzuführen. Diese Pflicht zum Mitführen von Winterausrüstung und Schneeketten gilt auf der A22, der Brenner Autobahn vom 15. November bis zum 15. April jedes Jahres. Die Pflicht, Schneeketten am Brenner mitzuführen betrifft den eigentlichen Brennerpass bis zur Gemeinde Affi und schließt auch das Stadtgebiet von Bozen mit ein. Die Pflicht für Winterausrüstung und Schneeketten wird auf Verkehrsschildern deutlich ausgewiesen. Sie können Schneeketten auch leihen.

Was bedeutet die Pflicht für Schneeketten in der Praxis?

In der Praxis bedeutet es, dass der Brenner im Winter nur mit Winterreifen befahren werden darf. Zusätzlich müssen Schneeketten mitgeführt werden, die bei Bedarf angelegt werden können. Mit Schnellmontage geht das anlegen noch schneller. Je nach Fahrzeug (bspw. Heckantrieb) müssen die Schneeketten vorne oder hinten montiert werden. Die Pflicht für Winterausrüstung und Schneeketten am Brenner besteht übrigens unabhängig davon, ob Schnee und Eis liegen oder nicht. Autofahrer, die dagegen verstoßen, müssen mit Geldbußen zwischen 80 bis 315 Euro rechnen. In der Regel wird die Polizei zudem die Weiterfahrt verbieten, bis Schneeketten angelegt oder Winterreifen aufgezogen wurden.

Wer muss Schneeketten am Brenner mitführen und wann werden sie eingesetzt?

Die Pflicht zum Mitführen von Schneeketten gilt für alle Pkw, Pkws mit Anhängern, Leichtfahrzeugen (Mopedautos) sowie Lkws bis zu einer Nutzlast bis 3,5 t

  • Übrigens besteht in Bozen ein generelles Fahrverbot für alle Motorräder bei winterlichen Straßenverhältnissen.
  • In den meisten Fällen genügen am Brenner Winterreifen. Als Winterreifen werden alle Reifen anerkannt, die mit den Buchstaben M&S, M+S oder M .S. gekennzeichnet sind.
  • Die Buchstaben M und S sind Abkürzungen für Matsch und Schnee. Schneeketten dürfen nur aufgezogen werden, wenn die Fahrbahn durchgängig oder teilweise durchgängig mit Schnee und Eis bedeckt ist.
  • Die Schneeketten müssen auf die Räder der Antriebsachse montiert werden.

Wie funktionieren Schneeketten?

Schneeketten bilden ein Netz, das die gesamte Lauffläche des Reifens überzieht. Der größte Teil der Kettenglieder verläuft quer zur Lauffläche des Reifens. Sie krallen sich in Eis und Schnee fest und verhindern, dass der Reifen durchdreht. Diese Schneeketten heißen Antriebsketten. Andere Teilstücke der Schneeketten verlaufen parallel zur Lauffläche. Sie sorgen dafür, dass der Reifen die Spur hält, weil sie das seitliche Wegrutschen verhindern. Deswegen heißen sie Spurketten. Reine Spurketten werden auf den Rädern der Lenkachse montiert. Moderne Schneeketten, wie sie auch auf dem Brenner vorgeschrieben sind, bestehen aus einer Kombination aus Antriebsketten und Spurketten.

Welche Schneeketten sind auf dem Brenner zugelassen?

Wer den Brenner mit Schneeketten überquert, darf nur Schneeketten verwenden, die den Anforderungen der ÖNORM entsprechen. Die Norm sagt aus, dass Schneeketten in einer überwiegend metallischen Bauweise gefertigt sein müssen. Die Kettenglieder müssen die gesamte Lauffläche des Reifens bedecken und bei jeder Radstellung Kontakt mit der Fahrbahn haben. Schneeketten, die nicht den Anforderungen der Norm entsprechen, werden als Anfahrhilfen eingestuft. Das trifft zum Beispiel auf Schneeketten aus Kunststoff oder Textil zu, die seit einiger Zeit in Deutschland im Handel erhältlich sind. Wer damit über den Brenner fährt, kann mit hohen Geldstrafen rechnen. Zusätzlich kann die Weiterfahrt untersagt werden. Das ist bedauerlich, denn diese neuartigen Schneeketten schonen Reifen und Fahrbahn, lassen sich leicht montieren und verursachen nur minimale Geräusche beim Rollen.

Arten von Schneeketten – Material

Bei den Traktionshilfen wird zunächst eine Unterscheidung beim Material getroffen. Klassische Ketten sind aus soliden Stahl gefertigt. Darüber hinaus gibt es aber auch solche aus Kunststoff oder Stoff. Die lassen sich zwar leichter montieren als Stahlketten, geben aber nicht so viel Grip. Auf dem Brenner, wenn Sie nach Italien reisen, sind sie nicht zugelassen. Seit 2017 ist ein neues System im Angebot: Hybridketten. Dabei handelt es sich um Schneeketten, die aus einer Kombination von Stoff und Stahl bestehen. Die Kettenglieder, die auf der Lauffläche aufliegen, bestehen aus soliden Stahl, während die Frontflächen aus Stoff gefertigt sind.

Die neuen Hybridketten haben mehrere Vorteile. Sie lassen sich leichter als Stahlketten montieren. Die Laufrichtung muss nicht beachtet werden. Für den optimalen Sitz der Hybridketten sorgt ein Gummizug. Da die Frontflächen aus Stoff bestehen, eignen sich Hybridketten auch für empfindliche Felgen aus Leichtmetall. Die Kettenglieder sind dünner als die bei herkömmlichen Schneeketten. Dadurch laufen die Räder ruhiger. Es ist allerdings noch nicht sicher, ob die neuen Hybridketten zum Einsatz am Brenner zugelassen wird. Wer damit den Brenner überqueren möchte, sollte sich besser vorher beim ADAC erkundigen. Es gibt auch noch Textilschneeketten.

Arten von Schneeketten – Bauart

Es gibt mehrere Bauarten von Schneeketten. Zu den wichtigsten gehören:

Seilketten

Ketten dieser Bauart haben den Vorteil, dass sie preisgünstiger als andere Systeme sind. Sie sind auch für den Einsatz am Brenner geeignet. Von Nachteil ist die umständliche Montage, die Kraft und Geschick erfordert. Seilketten eignen sich für Räder, bei denen viel Platz zwischen Rad und Radkasten besteht. Sie werden hauptsächlich für Fahrzeuge mit Frontantrieb verwendet.

Ringketten

Diese Schneeketten haben ihren Namen von einem elastischen Ring, der die gesamte Kette hält. Die Montage von Ringketten ist einfacher als die von Seilketten, erfordert aber auch einige Übung. Ringketten eignen sich gut für Fahrzeuge mit engen Radkästen, da bei der Montage nicht hinter dem Rad hantiert werden muss. Allerdings sind Ringketten wesentlich teurer als Seilketten.

Schnellmontageketten

Diese Bauart der Schneeketten lässt sich am leichtesten Montieren. Dafür sind nur wenige Handgriffe erforderlich. Damit die Schnellmontageketten aufgezogen werden können, müssen aber vorher spezielle Halter oder Adapter am Rad angebracht werden. Schnellmontageketten sind mit Abstand die teuersten aller Schneeketten. Ihr Einsatz rentiert sich nur für Autofahrer, die regelmäßig den Brenner überqueren. Wer dagegen Schneeketten nur für die Fahrt in den Urlaub aufziehen muss, sollte auf günstigere Varianten ausweichen.

Tipps zum Thema Schneeketten am Brenner

Vor dem Kauf sollten sich Autofahrer über die richtige Größe informieren. In der Regel steht in der Produktbeschreibung, für welche Reifengröße sich die Schneeketten eignen. Vorsicht ist geboten, wenn es Umbauten oder Veränderungen am Fahrzeug gegeben hat. Dann kann es passieren, dass normale Ketten nicht passen. Wenn die Schneeketten gereinigt sind, umso besser.

Bevor mit den Schneeketten die Fahrt über den Brenner beginnt, ist es ratsam, das Aufziehen ein- oder zweimal daheim zu üben. Dann geht es am Brenner flink von der Hand.

Beim Aufziehen kommt es vor allem auf die richtige Spannung an. Schneeketten dürfen weder zu locker noch zu straff sitzen. Werden sie zu locker montiert, können die Radkästen beschädigt werden oder sich die Ketten im schlimmsten Fall sogar während der Fahrt lösen. Sitzen sie dagegen zu straff, können die Reifen beschädigt werden.

Mit Schneeketten darf nur die vom Hersteller (Bsp.: König, Ottinger) angegebene Höchstgeschwindigkeit gefahren werden. Sie dürfen nur eingesetzt werden, wenn auf der Fahrbahn eine geschlossene oder fast geschlossene Schnee- und Eisdecke vorhanden ist.

Zum Schluss noch ein Spartipp. Wer im Winterhalbjahr eine einmalige Fahrt über den Brenner plant, braucht sich dafür nicht extra Schneeketten zu kaufen. Man kann sie sich auch beim ADAC oder anderen Anbietern mieten. Der Kauf von Schneeketten lohnt sich nur, wenn sie regelmäßig zum Einsatz kommen.